Neuer Radon-Referenzwert

Strahlung – Die neue Strahlenschutzverordnung bringt einen tieferen Referenzwert für Radon. Was bedeutet das für Immobilieneigentümer?

Radon

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Radon ist ein im Boden vorkommendes radioaktives Edelgas, das in der Uranzerfallsreihe entsteht. Radonatome können in weitere radioaktive Teilchen zerfallen, die dann in der Luft schweben. Beim Einatmen können diese Partikel ins Lungengewebe gelangen und sich dort ablagern. Dies kann zu Lungenkrebs führen.

Jährlich sterben in der Schweiz rund 2900 Menschen an Lungenkrebs. In 240 Fällen wird Radon als Mitverursacher angenommen. Etwa ein Dutzend der Lungenkrebs-Opfer sind Nichtraucher. Bei ihnen kann allein die Einwirkung von Radon für den Tod verantwortlich gemacht werden. Ähnlich wie Asbest führt Radon erst dann zu gesundheitlichen Schäden, wenn man ihm über längere Zeit ausgesetzt ist.

Die revidierte Strahlenschutzverordnung sieht per 1. Januar 2018 neu einen Referenzwert von 300 Bq / m3 für Wohn- und Aufenthaltsräume vor. Dieser Referenzwert ersetzt den bisherigen Grenzwert von 1000 Bq / m3 und gilt für Räume, «in denen sich Personen regelmässig während mehrerer Stunden pro Tag aufhalten». Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens für Neu- und Umbauten müssen die Bewilligungsbehörden die Bauherrschaften auf die Anforderungen aus der Strahlenschutzverordnung aufmerksam machen.

Umsetzung bei bestehenden Bauten

Der neue Referenzwert gilt allerdings auch für bestehende Gebäude. Die effektive Belastung einzelner Räume kann nur mittels Radonmessung festgestellt werden. Potenziell betroffen von einer zu hohen Radonkonzentration sind Kellerräume und allenfalls Räume in Erdgeschosswohnungen in radonbelasteten Gebieten. Für die Messungen sind meist sogenannte Dosimeter im Einsatz. Diese werden im Winter, in der Regel während dreier Monate, in den entsprechenden Räumen aufgestellt und messen die kumulierte Strahlung. Aus dem Messwert wird anschliessend die Strahlenbelastung über das gesamte Jahr extrapoliert. Die jährliche Strahlendosis darf den Referenzwert von 300 Bq / m3 nicht überschreiten. 

Ein Dosimeter kann bei einer anerkannten Radonmessstelle bezogen werden. Ein Verzeichnis der Radonmessstellen ist auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG) aufgeschaltet. Pro Messgerät ist inklusive Auswertung mit Kosten zwischen ca. 70 und 100 Franken zu rechnen.

Betroffene Räume

Der Radonreferenzwert von 300 Bq / m3 bezieht sich auf die Strahlenbelastung während eines ganzen Jahres. Dies entspricht einer Expositionsdauer von 7000 Stunden. Wird in einem Raum eine Radonkonzentration über dem Referenzwert gemessen, zum Beispiel 600 Bq / m3, und wird dieser Raum jedoch nur während 300 Stunden pro Jahr genutzt, fällt die effektive Strahlenbelastung für die entsprechenden Personen deutlich tiefer aus. Entsprechend stellen Bastelräume oder wenig genutzte Zimmer in den Keller- und Untergeschossen erst eine mögliche Gefahr dar, wenn die Radonkonzentration deutlich über dem Referenzwert zu liegen kommt. Das BAG geht davon aus, dass in einzelnen Räumen in rund 100 000 Gebäuden in der Schweiz der neue Referenzwert überschritten wird.

Kantone in der Pflicht

Verantwortlich für die Umsetzung der Strahlenschutzverordnung sind die Kantone. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass diese nun flächendeckende Messkampagnen starten werden. Viel eher dürfte die Information in potenziellen Radongebieten verstärkt und Eigentümer zum Messen animiert werden.

Radonmessung

Radonmessungen sind dort sinnvoll, wo aufgrund der Geologie mit einem erhöhten Vorkommen zu rechnen ist. Das BAG hat hierzu eine eigene Übersichtskarte erstellt, die Ende März veröffentlicht wird, und angibt, wo die Wahrscheinlichkeit eines erhöhten Referenzwertes besteht. Betroffen sind primär Wohnräume in Unter- und Erdgeschossen. Eine Radonmessung auslösen kann jedermann. Da die Messdaten anschliessend in die Radondatenbank eingetragen werden, ist aus Sicht des HEV Schweiz der Immobilieneigentümer über die Messung zu informieren. Wünscht ein Mieter eine Messung, sollte der Vermieter diese veranlassen. Ansonsten sieht er sich unter Umständen völlig ahnungslos mit den Resultaten der vom Mieter veranlassten Messung konfrontiert. 

Radonsanierung

Wird in einem Raum eine zu hohe Radonkonzentration festgestellt, ist der Eigentümer verpflichtet, Massnahmen zur Radonreduktion vorzunehmen oder den betroffenen Raum zu sanieren. Je nach Situation ist das ohne grossen Aufwand möglich. Die Massnahmen können auf folgenden Stufen angesiedelt werden: 

  • Betriebliche Massnahme (z.B. Anpassen der Nutzungszeiten)
  • Umnutzung des Raumes
  • Sanierung

Der finanzielle Aufwand für eine Sanierung kann zwei- bis dreitausend oder sogar mehrere Tausend Franken betragen. Entsprechend der gewählten Massnahme ist eine Kombination mit ohnehin anstehenden Erneuerungsarbeiten sinnvoll. Auch ist je nach Messresultat und Raumbelegung eine Sanierung nicht immer gleich dringend. Hierzu hat das BAG in der Wegleitung zur Strahlenschutzverordnung Sanierungsfristen definiert. Insbesondere bei einer nur knappen Überschreitung des Referenzwertes kann die Sanierung gut auf den nächsten ordentlichen Erneuerungszyklus angesetzt werden. Die minimale Sanierungsfrist von drei Jahren räumt dem Eigentümer genügend Zeit für eine gute Planung und Vorbereitung ein.

Leider wurde in der Wegleitung bisher auf die Publikation einer Abschätzung der Verhältnismässigkeit von Sanierungsmassnahmen verzichtet. Jeder Raum kann saniert werden. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Radonreduktion zu welchen Kosten möglich ist. Insbesondere Vermieter dürften sich bald mit der Forderung nach umfassenden Radonsanierungen konfrontiert sehen. Auch zu diesem Punkt braucht es eine verbindliche Empfehlung, auf die sich Immobilieneigentümer stützen können.