• Gestalten mit Sichtachsen

Gestalten mit Sichtachsen

29.03.2019 TOBIAS FRANZKE, Silvedes AG, Brütten

Terrasse – Worauf sich der Blick im Aussenraum richten soll, lässt sich steuern. Wichtig dafür sind prägnante Sichtachsen und passende Pflanzen.

Das Ziel einer guten Gestaltung besteht darin, einen Garten oder eine Terrasse spannend zu inszenieren. Dies gelingt durch eine geschickte Unterteilung der vorhandenen Fläche in verschiedene Räume und die Schaffung prägnanter Sichtachsen. Die Blickachse ist ein wichtiges strukturschaffendes Element, das sich Gestalter von Barockgärten, alten Englischen Landschaftsgärten und zeitgenössischen Neuanlagen seit jeher zunutze machen. Während die Achsen in herrschaftlichen Barockgärten häufig als Wegeverbindung ausgebildet sind, öffnen sich in Englischen Gärten die Ausblicke auf markante Landschaftsoder Gestaltungselemente meist als reine Sichtverbindungen. Sowohl die Einteilung in «Gartenzimmer» als auch das Herausarbeiten der Sichtachsen kann dem heimischen Garten oder der eigenen Terrasse das besondere Etwas verleihen.

Trennung von Wohnen und Schlafen

Während der Gartenplaner vor allem die Gegebenheiten des Terrains und der darauf befindlichen Bauten in seine Überlegungen einbezieht, bewegt sich der Terrassengestalter innerhalb der strengen Vorgaben des architektonischen Rahmens, der die Aussenfläche bestimmt. Deshalb ist es wichtig, auch dem Innenbereich der Attika- oder Terrassenwohnung grosse Beachtung zu schenken. Ergibt sich aus dem Wohnungsgrundriss eine räumliche Trennung von Wohn- und Schlafbereich, lässt sich diese möglicherweise im Aussenraum fortführen. Dadurch kann ein privater Bereich – beispielsweise zum Entspannen oder Sonnenbaden – elegant vom Rest der Terrasse getrennt werden. So ist beim Gang ins Freie nicht sofort die ganze Terrassenfläche einsehbar, und die Spannung bleibt erhalten. Eine dezente Trennung kann Gäste unterbewusst davon abhalten, direkt in die Privatzone vor dem Schlafzimmer zu spazieren und stattdessen dafür sorgen, dass sie sich im «Gesellschaftsbereich » der Terrasse aufhalten.

Leitpflanzen in Sichtachsen

Als Nächstes wird die Position der Leitpflanzen anhand des Grundrisses herausgearbeitet. Welche Blickwinkel ergeben sich beim Betreten der Wohnung? Eröffnet sich ein besonderer Ausblick vom Sofa aus? Wohin blicken die Bewohner oder die Gäste am Esstisch, und wohin fällt der Blick beim Arbeiten in der Küche? Je nach architektonischer Vorgabe lassen sich in diesen Sichtachsen Leitpflanzen positionieren, die als Blickfang dienen und den Wohnraum optisch um die Terrassenfläche erweitern. Natürlich müssen diese Pflanzenpersönlichkeiten auch für die Nutzung des Aussenbereiches praktikabel und gefällig platziert sein – beispielsweise indem ein laubabwerfendes Gehölz im Sommer am Lieblingsplatz angenehmen Schatten spendet.

Privatsphäre schaffen

Die verdichtete Bauweise führt häufig dazu, dass in Teilbereichen der Terrasse mehr Privatsphäre wünschenswert wäre oder dass von einem unschönen Ausblick abgelenkt werden soll. Vielfach reicht es, den Blick mit einzelnen Elementen zu brechen.

Nur selten ist ein kompletter Sichtschutz in heckenähnlicher Form notwendig. Gerade bei einem Neubezug fühlen sich viele Wohnungseigentümer stark beobachtet oder «ausgestellt», sobald sie die Terrasse betreten. Da die Fläche noch komplett leer ist, drehen Passanten und Nachbarn unwillkürlich den Kopf ob der Bewegungen in luftiger Höhe. Um diesen Effekt zu vermeiden, muss nicht gleich eine grüne Wand hochgezogen werden – bereits einzelne Blickpunkte entschärfen die Situation deutlich. Diese sorgen für eine gesteigerte Privatsphäre, und den Terrassenbesitzern
bleibt dennoch die Aussicht erhalten.

Ausblicke unterstreichen

Bei der Platzierung der Möbel ist die Blickrichtung besonders wichtig. Wird beispielsweise eine Lounge auf der Terrasse gewünscht, entsteht ein deutlich grosszügigeres Raumgefühl, wenn man von der Lounge aus anstatt auf das Gebäude in die Weite blickt. Oder der Essplatz: Häufig wird der Tisch im Aussenbereich bereits vom Architekten parallel zur Fassade eingezeichnet. Warum nicht den Tisch um 90 Grad drehen, wenn es die räumlichen Verhältnisse zulassen? Dadurch haben alle am Esstisch Platz nehmenden Personen einen schönen Ausblick, und der Aussenwohnraum gewinnt
an Weitläufigkeit.

Mit einem findigen Gestalter, der bereits in der Anfangsphase der Planung Denkanstösse liefert, eröffnen sich völlig neue Optionen und spannende Möglichkeiten, welche die Eigentümer vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hatten. Die Erfahrung aus vielen Projekten ermöglicht es, eine unbelebte Terrasse in einen stimmigen Aussenwohnraum zu verwandeln. In einen Kraftort, an dem die Bewohner jede freie Minute geniessen und die Seele baumeln lassen können.

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