• Im Garten schmeckt es am besten

Im Garten schmeckt es am besten

14.02.2019 JUDITH SUPPER

Kochen im Freien – Im Garten zu kochen, vereint zwei Trends der letzten Jahre: Selbstangebautes im Garten zu ernten und Speisen selber zuzubereiten. Bis die Outdoor-Saison beginnt, lohnt es sich, den Grundstein für den nächsten Open-Air-Kochevent zu legen.

Die Zeiten, in denen nur Bratwürste auf dem Gartengrill schmorten, sind passé. Im Garten wird heute geräuchert, gebraten, entschuppt, gedämpft, gegart und gebacken, was das Zeug hält. Die Würste sind Räuchermakrelen, Tofu-Burgern, Kohlröschen mit Harissa- Joghurtsauce oder Dumplings mit Garnelenfüllung gewichen. Kochen im Freien ist ein Event, den man mit Freunden und Familie zelebriert. Das kann ein spontanes Ereignis wie der Glühweinplausch im Schnee oder ein Mehrgangmenü mit Lammhack, Hummus und Paprika- Quark sein: gekocht wird, was schmeckt, und zwar längst nicht mehr nur auf dem Herd in der eigenen Hausküche.

Kulinarik im Grünen

Für raffinierte Menüfolgen braucht es vielseitige Lösungen. Hier setzen die modernen Outdoorküchen an. Die gängigen Module bestehen aus Edelstahl, die in Korpusse aus Beton, Klinker, Naturstein oder anderen Materialien eingesetzt sind. Zur Grundausstattung gehören neben einem hochwertigen (Gas)-Grill – bekannte Vertreter sind das «Big Green Egg», der «Firemagic» oder der «Napoleon» – auch Kühlschrank, Spülbecken und Gas-Rechauds für Pfannen. «Die Nachfrage nach Outdoorküchen auf dem Schweizer Markt ist da», sagt Mischa Weber, Geschäftsführer von Hans Ball Gartenbau AG in Bäretswil. Seit 2014 berät, plant und errichtet er Outdoorküchen im privaten Grün nach individuellen Wünschen. Er verwendet als tragendes Element ausschliesslich Beton und für Einbauten jeweils Chromstahl: «Einmal des Platzes wegen, aber auch, weil sich Wetterwechsel und Temperaturunterschiede auf Chromstahl nicht nachteilig auswirken», sagt der eidg. dipl. Gärtnermeister.

Mehrere Funktionen gleichzeitig

Doch die exklusiven Premium- Outdoorküchen liegen nicht in jedermanns Budget. Speziell online wächst der Markt für Systeme, die ein Kochen unter freiem Himmel für weniger Geld gestatten. Es gibt einbaufertige Metallkonstruktionen, Schrankmodule aus Holz oder Edelstahl, rollbare Outdoor-Kücheninseln mit Servierwagen und Grill, Tischgrills oder Selbstbau-Module – die Wahlmöglichkeiten sind gross. Viele davon lassen sich sowohl mit Holz als auch mit Pellets und Gas befeuern und können grillieren, kochen, dämpfen, backen und vieles mehr. Auch vor exotischem Grillvergnügen macht der Outdoor-Grill-Trend nicht halt: An der diesjährigen Giardina- Messe kann der interessierte Hobbykoch einen traditionellen afrikanischen Braai-Grill begutachten.

Rösti und Marroni

Systeme, die neben dem Kochen weitere Funktionen besitzen, fügen sich sauber in den Trend ein. Feuerkugeln beispielsweise lassen sich dank eines Aufsatzes in einen Grill verwandeln, so zum Beispiel der Teppanyaki-Grillring, der die traditionelle japanische Koch-Stahlplatte freilufttauglich macht. Andere Systeme funktionieren gleichzeitig als Grillofen und als Aussenheizung. Auch bestehende Innen- oder Aussencheminées kann man heute mit entsprechendem Zubehör – Grillrost, Bratspiessen und -körben, Lamellengrills, Raclettehaltern, Rösti- und Marronipfannen – ergänzen. Objekte wie der Feuerring laden mit ihrem breiten Ring dazu ein, Gemüse, Fisch und Fleisch darauf zu braten. Durchaus gewollt: Feuerring-Schöpfer Andreas Reichlin hat bereits ein Feuerring-Kochbuch geschrieben. Und der Schweizer Sternekoch Stefan Wiesner bietet Kochkurse auf dem Feuerring an.

Solche handgeschmiedeten Objekte oder selbstentworfene Feuerstellen stehen an der Schnittstelle zwischen Kunstobjekt und Gartengrill. Die DS AG Conma aus Kriessern beispielswiese bietet seit mehr als 15 Jahren selbst gefertigte Feuerstellen teils aus Stahl, teils aus Beton an. «Der Garten hat heute einen viel grösseren Stellenwert, und damit ist auch die Nachfrage nach individuellen Grillmodellen gestiegen », erklärt Luzia Schiefer von Conma. Das Unternehmen hat Feuersäulen im Sortiment, die gleichzeitig als Pizzaofen und Grillstelle dienen.

Offene Garten-Feuerstelle

Für Gartenbauer ist die wachsende Nachfrage nach dauerhaften Feuerstellen eine Bereicherung ihres Dienstleistungsportfolios. Ein Betrieb, der seit der Unternehmensgründung Feuerstellen baut, ist die Schneuwly Gartenbau GmbH aus Gurmels. Die Hälfte seiner Kunden, so Geschäftsführer Tobias Schneuwly, käme von sich aus mit dem Wunsch nach einer privaten, aber professionell errichteten Feuerstelle auf ihn zu. Die andere Hälfte kann er von den Vorteilen überzeugen. «Die individuelle Note ist das überzeugendste Argument», erzählt er. Verwendete Materialien sind Stahl, Naturstein und Kombinationen davon: Materialien, die hohen Temperaturen trotzen und dauerhaft als bauliche Elemente bestehen bleiben. Ob es nun eine Outdoorküche in Luxusausführung oder eine einfache Feuerstelle wird, die kommende Gartensaison verspricht kulinarische Höhepunkte. Und vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an die Pfadi-Zeit zurück. Hat man da nicht wunderbare Gerichte auf den selbst gebauten Erdöfen zubereitet?