• Steuern sparen mit privaten Schuldzinsen

Steuern sparen mit privaten Schuldzinsen

10.01.2020

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Schuldzinsen können steuerlich geltend gemacht werden. Allerdings: In der Praxis ist doch nicht immer alles so klar. Erfahren Sie, auf welche Punkte Sie achten müssen.

Abzugsfähig sind je nach Kanton die geschuldeten (Fälligkeitsprinzip) oder die bezahlten Schuldzinsen. In allen Kantonen sind diese zu belegen. Schuldzinsen können Hypotheken, Kleinkredite, Lombardkredite oder Darlehen betreffen. Abzugsfähig sind auch die Verzugszinsen und Kreditkommissionen, deren Höhe von der Schuldenhöhe abhängt.

Was viele Steuerpflichtige nicht wissen: Auch die Verzugszinsen auf Steuerschulden sind abzugsfähig. Um diese geltend machen zu können, bestellen Sie am besten einen Steuerauszug. Abzugsfähig sind die im entsprechenden Jahr von den Steuerbehörden belasteten Verzugszinsen (und natürlich die entsprechenden ausstehenden Steuerschulden).

Beachten Sie immer auch die kantonalen Regelungen. Die regionalen Unterschiede erschweren den Überblick.

Keine abzugsfähigen Schuldzinsen

Schuldrückzahlungen, die Zahlung von Marchzinsen beim Kauf von Obligationen, Kreditkartengebühren, aber auch Leasingzinsen sind nicht abzugsfähig. In den meisten Kantonen qualifizieren auch Negativzinsen nicht als abzugsfähige Schuldzinsen, da sie auf Guthaben und nicht auf Schulden erhoben werden. Es gibt jedoch Kantone, welche diese als Vermögensverwaltungskosten zum Abzug zulassen.

Es empfiehlt sich aus steuerlicher Sicht, für die Finanzierung eines Autos zum Beispiel kein Leasing zu vereinbaren, sondern einen Kredit zu beanspruchen. Nur dann sind die Schuldzinsen abzugsfähig. Beim privaten Leasing von Vermögensgegenständen können keine Schuldzinsen abgezogen werden, da es sich um ein mietähnliches Verhältnis handelt.

Miteigentum, Solidarschuldnerschaft

Wenn mehrere Personen für eine Schuld haften, kann jeder Beteiligte seinen Anteil geltend machen. Bei gemeinsamem Eigentum, einer Erbengemeinschaft oder Solidarschulden empfiehlt es sich, eine Aufstellung für die Steuerverwaltung zu erstellen, woraus die Mitschuldner und deren Anteile an den Schulden und Schuldzinsen ausgewiesen sind. Diese ist zusammen mit den entsprechenden Nachweisen mit der Steuererklärung einzureichen.

Privatdarlehen: Fälligkeiten während des Jahres

Wie bei allen steuermindernden Sachverhalten liegt die Beweispflicht beim Steuerpflichtigen. Es empfiehlt sich daher, bei Privatdarlehen einen Zins- und Kapitalausweis zu erstellen. Der Steuerverwaltung muss bekannt sein, wer der Gläubiger ist. Dieser Beleg kann vom Gläubiger und vom Schuldner als Beilage zur Steuererklärung verwendet werden.

Steuerlich abzugsfähig ist der Zins in der Regel bei Fälligkeit. Es gibt somit keine Pro-rata-Deklaration. In der Regel fallen Fälligkeit und Zahlung bei Zinsen zusammen.

Baurechtszinsen

Baurechtszinsen stellen eine Art «Miete» für den Boden dar. Folgerichtig werden sie beim Bund und den meisten Kantonen nicht zum Abzug zugelassen. Beim Baurecht gibt es kein Schuldverhältnis, und somit handelt es sich auch nicht um Schuldzinsen. Es gibt jedoch Kantone, welche Baurechtszinsen zum Abzug zulassen.

Zu beachten ist somit in jedem Fall Folgendes: Es gibt Kantone, welche die Baurechtszinsen generell zum Abzug zulassen, andere Kantone gewähren ein Wahlrecht.

Baukreditzinsen

Baukreditzinsen fallen beim Bau eines Gebäudes an, bis zum Zeitpunkt, in dem der Baukredit in eine Hypothek umgewandelt wird (sog. Konsolidierung). Dieser Zeitpunkt kann mit der «Bezugsbereitschaft» des neuen Hauses oder der Wohnung identisch sein. Oft wird der Baukredit jedoch Monate später umgewandelt, da die Rechnungen allenfalls mit Verzug eintreffen oder erst später bezahlt werden.

Logisch wäre es, wenn die Baukreditzinsen bis zur Bauvollendung des Objektes bzw. bis zum Bezug des neuen Domizils zu den Anlagekosten gezählt würden (nicht abzugsfähig) und ab diesem Zeitpunkt zu den Schuldzinsen (abzugsfähig). Der Bund und einige Kantone verfahren nach diesem Prinzip. Folgerichtig können die als Anlagekosten qualifizierenden Baurechtszinsen in der Regel bei der kantonalen Grundstückgewinnsteuer geltend gemacht werden, sollte das Gebäude dereinst verkauft werden.

Ablösezahlungen / vorzeitiger Ausstieg aus einer Festhypothek

Ablösezahlungen (auch Vorfälligkeitsentschädigungen oder Rücktrittsprämien genannt) werden kantonal unterschiedlich beurteilt. Oft werden diese zum Abzug zugelassen, wenn die Hypothek bestehen bleibt. Wird die Hypothek dagegen zurückbezahlt (beispielsweise bei einem Verkauf), ist die Ablösezahlung in der Regel nicht abzugsfähig. Wenn Sie eine vorzeitige Amortisation Ihrer Festhypothek beabsichtigen, klären Sie die steuerliche Behandlung in Ihrem Kanton vorgängig ab.

Beschränkung oder Verweigerung des Schuldzinsenabzugs

Der private, steuerlich zulässige Schuldzinsenabzug wurde auf maximal die Summe der Vermögenserträge plus 50 000 Franken beschränkt. Bei Zinserträgen von beispielsweise 6000 Franken können Schuldzinsen von maximal 56 000 Franken geltend gemacht werden. Bei den aktuell sehr tiefen Schuldzinsen hat diese Beschränkung allerdings kaum mehr eine praktische Bedeutung.

Indirekte Amortisation von Hypotheken

Manche Liegenschaftsbesitzer amortisieren ihre Hypothek indirekt. Sie zahlen – in Absprache mit ihrer Bank – die jährlichen Amortisationsraten nicht direkt an das Finanzinstitut, sondern auf ein der Bank verpfändetes Säule-3a-Konto oder als Einkauf in die Pensionskasse. Das Altersguthaben kann bis zur Höhe der Freizügigkeitsleistung verpfändet werden.

Bei der indirekten Amortisation können die Vorteile des Vorsorgesparens und des Schuldzinsenabzugs kombiniert werden: Einzahlungen in die Säule 3a oder Einkäufe in die Pensionskasse dürfen – wenn die steuerlichen Voraussetzungen eingehalten werden – vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dazu können die bezahlten Hypothekarzinsen abgezogen werden – eine Win-win-Situation für den Steuerpflichtigen.

Steuerplanung für die Zukunft

Der Schuldzinsenabzug ist einer der wichtigsten Abzüge bei privaten Steuererklärungen. Entscheidend ist es, alle Schuldzinsen zu erkennen und steuerlich geltend zu machen. Nicht vergessen sollten Sie die Verzugszinsen bei den Steuerschulden.

Die Steuererklärung betrifft die Vergangenheit – mit der Steuerplanung kann die Zukunft beeinflusst werden. Hier sind Fragen zu beantworten wie: Soll die Hypothek zurückbezahlt werden? Kann und soll der Einkauf in die Pensionskasse fremdfinanziert werden? Kann die Hypothek indirekt amortisiert werden?

Zu beachten bleibt aber in jedem Fall: Dieser Artikel beleuchtet lediglich einige der wesentlichen Punkte und ersetzt keinesfalls die Überprüfung der Umstände im Einzelfall.