• Vier Pfoten als Härtetest

Vier Pfoten als Härtetest

28.11.2019 NICOLA SCHRÖDER, Conzept-B

Bodenbeläge – Teppich, Parkett, Korkbelag oder ein fugenloser Boden aus mineralischem Material? Hauptsache, der Belag besteht auch den Härtetest mit Katze und Hund.

Bodenbeläge müssen einiges (er-)tragen. An manchen Orten des modernen Lebens bewegen sich an gewissen Tagen Zehntausende von Menschen über einen einzigen Bodenabschnitt – mit dabei sind auch noch Rollkoffer, Gepäckwagen, Buggys und vieles mehr. In privaten Häusern hat man es zwar seltener mit einem derartigen Publikumsverkehr zu tun, doch auch hier sind die Anforderungen an den Boden oft sehr hoch.

Tatsächlich gibt es objektive Kriterien, was heutzutage einen guten Boden für private Räume ausmacht: Er sollte möglichst natürlich, bezahlbar, pflegeleicht und wohnlich sein. Neben den grundlegenden Anforderungen der jeweiligen Räume, Nässe in der Küche oder schwere Möbel, kommen im Wohnbereich oft noch zusätzliche Herausforderungen hinzu. Ganz oben auf der Liste der Härtetests für Einrichtung und Böden im Zuhause stehen Haustiere und Kinder. Mehr noch als für kleckernde Kinder, die begeistert im Flur Bobby Car fahren und ihr Spielzeug herumwerfen, wächst im Handel die explizite Nachfrage nach haustierfreundlichen Böden.

In rund einem Drittel der Schweizer Haushalte leben Haustiere wie Hunde und Katzen, und mehr denn je leben sie im Wohnbereich. In Sachen Strapazierfähigkeit von Böden kann man sich problemlos an Tierbesitzern orientieren. Denn in Anbetracht scharfkantiger Krallen und möglicher Malheure fragen sie nach entscheidenden Dingen – nach der Kratzfestigkeit, der Rutschhemmung oder der Nässeresistenz eines Belags. Zudem wünschen sie, dass der Boden möglichst schmutzabweisend ist – für den Fall, dass der Vierbeiner das herbstliche Wetter mal wieder voll ausgekostet haben sollte. Haare während des Fellwechsels sollten leicht zu beseitigen sein, und auch ein kleines oder grosses Missgeschick sollte keine bleibenden Spuren hinterlassen. Längst nicht jeder Hundebesitzer ist sich der Tatsache bewusst, dass das Rutschen auf glattem Boden für Knochen und Gelenke eines jungen tobenden Hundes schädlich sein kann, oder dass er dem alternden Hund mit einem dämpfenden Belag einen Gefallen tut. Wer sich Gedanken darüber macht, ist auch Vorbild für Jung und Alt unter den Zweibeinern. Denn was dem alternden Hund Probleme bereitet, damit müssen sich auch die menschlichen Bewohner über kurz oder lang auseinandersetzen. Daneben können zu glatte Böden auch für kleine Kinder in Socken eine Gefahr darstellen. Es sollte deshalb generell auf Rutschfestigkeit und gelenkschonende Eigenschaften eines Bodenbelags geachtet werden.

Was heisst das nun für die Wahl des Bodens, und welche Neuerungen oder Entwicklungen gibt es im Bereich der Bodenbeläge? Die meisten Hersteller sind sich dem wachsenden Stellenwert von Haustieren und der demografischen Entwicklung bewusst und bieten zunehmend neben den Produkten auch gleich die dazugehörigen Ratgeber an. Kein Boden ist gänzlich unverwundbar, aber neue Materialien und Versiegelungsvarianten zusammen mit teilweise seit Langem bewährten Werkstoffen bringen weitreichende Lösungen für verschiedenste Ausgangslagen. 

Wohnzimmer mit einem Sisal-Teppiche von Terr’Arte

Sisal-Teppiche von Terr’Arte sind für Haushalte mit Haustieren geeignet, robust und langlebig. BILD TERRARTE.CH

Natürliche Materialien und neue Oberflächen

Für Zwei- und Vierbeiner sind natürliche Materialien wieder auf dem Vormarsch. Auch auf Parkett oder Natursteinböden braucht man mit Hund nicht zu verzichten. Im Gegenteil, oft können diese sogar die bessere Wahl sein. In der Regel kommt es vor allem auf die Art der Oberflächenbehandlung und die Versiegelung an. Bei Parkett bietet sich die geölte Variante an. Eine geölte Holzoberfläche kommt dem Rohholz am nächsten. Das bedeutet, dass sie in der Optik sehr unempfindlich ist, Kratzer fallen kaum auf, und zusätzlich ergibt die natürliche Struktur einen guten Halt. Zudem ist der Boden wasserabweisend und wiederum glatt genug, so dass er sich leicht reinigen lässt. Auch der Korkboden ist wieder im Kommen. In seiner geölten Variante eignet er sich besonders für Haushalte mit kleineren Vierbeinern. Er ist besonders gelenkschonend, dämpft Geräusche und sorgt für eine angenehme Fuss- beziehungsweise Pfoten- und Liegewärme.

In punkto Strapazierfähigkeit und Pflege eignet sich vor allem auch ein Laminatboden. Er ist kratzfest, wasserabweisend und besonders leicht zu reinigen. Um eine höhere Rutschfestigkeit als die der sehr glatten und damit rutschgefährlichen Varianten zu erhalten, greift man zu solchen mit geprägten Oberflächen. So erhält man nicht nur die Optik von Parkett, sondern auch eine natürliche Struktur. Unangenehme Laute von harten Krallen und Absätzen auf Laminat lassen sich mit immer besseren Dämmunterlagen beheben. Lediglich stehende Pfützen führen zu Schäden am Material, da dieses mit der Zeit aufquellen kann. Das Problem des Aufquellens entfällt hingegen bei Vinyl- und Designböden. Sie sind komplett wasserfest und dazu rutschsicher und in den meisten Fällen auch antibakteriell. Varianten aus mineralischen Produkten besitzen gleichzeitig eine natürliche Ausstrahlung und sind in unzähligen Gestaltungsvarianten erhältlich. Damit eignen sie sich für Haustiere jeder Grösse sowie für jeden Raum und noch so schwere Möbel.

Wohnzimmer mit einem hellen Sofa

Der mineralische Boden Micodur der Siltex AG, BILD SILTEX.CH

Naturstein oder Teppich?

Eine sehr widerstandsfähige Alternative sind zudem fugenlose Böden aus mineralischem Material wie Quarzsand mit Zement. Solche Beläge sind enorm pflegeleicht und lassen weder Wasser, Schmutz noch hausübliche Chemikalien eindringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie fusswarm und in den verschiedensten Ausgestaltungen erhältlich sind. Auch klassische Keramikplatten sind nässeunempfindlich und in vielen Designs erhältlich – mit einer Optik von Naturstein über Beton bis hin zu Holz oder Ornamentfliesen. Es gibt sie ebenfalls mit geprägten Oberflächen. 

Fugenloser Boden aus mineralischem Material ist pflegeleicht und strapazierfähig. BILD NATUROFLOOR.CH

Bei einer entsprechenden Imprägnierung zur Säureresistenz lässt sich auch echter Naturstein einsetzen. Manche Sorten bieten sogar den Vorteil, dass man die Tierhaare auf den ersten Blick gar nicht wahrnimmt. Staubsaugen ist damit nicht andauernd notwendig.